Stilübergreifende Kernthemen: 2. "Kraft" - allgemein

 

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  • Zwei Hauptquellen:
    • aus unserem Körper heraus erzeugt
    • und von der Erde geliehen (die Erde ist unsere einzige „externe physische Kraftquelle“ – im Normalfall; solange wir uns nirgendwo anlehnen, festhalten, heranziehen… wobei auch alle Objekte letztlich in der Erde verankert sind)
  • Muskeln, Sehnen, Bindegewebe/„Faszien“, Bänder (passiv)…
    • Mobilisatoren („Beweger“): oberflächliche, oft große Muskeln
    • Stabilisatoren („Stabilisierer“): tiefliegende, oft kleinere Muskeln / „Tiefenmuskulatur“
  • mehr Muskelfasern werden angesteuert – effizientere Koordination des Muskels (das Gehirn steuert Muskeln effizienter an + synchronisierter + mit mehr Nervenimpulsen) → Muskelfasern werden dicker + stärker, aber wir bauen nicht neue Muskelfasern auf
  • Körperhaltung/“Struktur“/“Knochenstatik“ (z.B. gesetzte Schulter, die den Arm mit dem Rumpf gut verbindet – oder gerade Körperhaltung statt nach hinten gelehnt → die Kraft muss durch den Körper in die Füße geleitet werden können, aber auch von den Füßen bis in den Körper)
  • Kraftverständnis – Kraftpaare (Newton), Bewegungsmechanik (Kraftketten usw.)…
  • Kraft „leihen“ aus dem Boden (s.o.)
  • Entspannung (Öffnen → Verbindung; isoliert vs. „gesamt“; „Sinken“; Bewegungswiderstand im eigenen Körper reduziert…)
  • Ganzer Körper (→ Koordination → „Kraftketten“)
    • 全身力一 Quan Shen Li Yi („ganzer Körper wie eine Kraft“)
      • 全 Quán – ganz, komplett, voll, total
      • 身 Shēn – Körper; Leben
      • 力 Lì – Kraft, Stärke, Fähigkeit
      • 一 Yī – eins
    • Bsp.: in meinem Arm „sammelt“ sich die koordinierte Kraft des ganzen restlichen Körpers (statt isolierter Armkraft)
    • und zu diesem Punkt gehört auch die Frage, wo Bewegung initiiert wird - und hier ist die kurze Antwort: am Anfang spricht vieles dafür, Bewegungen in den Füßen und Beinen zu beginnen, später wird geschieht das mehr und mehr aus dem Rumpf heraus (was dann oft als "Zentrum" und "DanTian" bezeichnet wird)
  • Körperschwerpunkt zwischen den Füßen („Korridor“) bzw. über einem Fuß
  • Kraftvektoren / Winkel → „intelligenter“ Einsatz von Kraft
    • „zerstreuen“ der Kraft, die auf mich wirkt (insb. weg von „Schwachstellen“)
    • die „Schwachstellen“ beim Anderen dagegen suchen und dort ansetzen
  • Einsatz des Körpergewichts (siehe z.B. Fa Li)
  • Kraft in alle Richtungen (statt nur in eine Richtung) → keine/wenig „Kraftlücken“
  • (Kraft schnell wechseln können → ist in Klammern, weil es selber nicht die Kraft erhöht, sondern mehr unter "geschickte Anwendung" fällt)
  • "Luo Xuan" --> Rotationen/Spiralen (alles, im gesamten Körper, soll immer spiralförmig bewegt werden)
  • aus der Körpermitte heraus bewegen (gehört aber vielleicht schon zu stil-spezifischer Körpermechanik)

 

 

Verschiedene Begriffe für "Kraft": Li, Jin/Jing und andere, die fälschlicherweise benutzt werden...

 

Kraft - Das Zeichen für Li ist im Zeichen für Jin / Jing enthalten!

 

 

 

  • "die Kraft kommt vom Yi"
  • 意到力到 Yi Dao Li Dao – "wenn die Vorstellung (Yi) ankommt, dann kommt auch die Kraft (Li) an"
  • „Yi führt, Qi folgt - und das Qi bewegt den Körper“ (im Yi Quan macht man sich u.a. deswegen auch praktisch gar keine Gedanken um „Qi“, da es immer mit am „Yi“ dran hängt)
  • 整體合劲 Zheng Ti He Jin – "der ganze Körper ist wie eine Kraft" / 整體合一 Zheng Ti He Yi – "der ganze Körper ist wie Eins / wie ein Stück" usw.
  • 四两拨千斤 Si Liang Bo Qian Jin – "Vier Unzen können tausend Pfund bewegen“ (Four ounces can move a thousand pounds")
    • 四 Si – vier
    • 两(兩) Liǎng – hier: Unze (entspricht 50g = 0,05 kg)
    • 拨 ( 撥 ) Bō – (mit der Hand, dem Fuß, einem Stock...) bewegen; vertreiben; verteilen
    • 千(韆) Qiān – tausend; große Menge/Zahl/Anzahl von etw.
    • 斤 Jīn – 10 oder 16 liang (两) bzw. 0,5 kg oder 1,102 Pfund

 

Nützliche Übersicht von Prof. Yu Yong-Nian aus dem Yi Quan

 

Beschrieben ist hier das Zusammenspiel der fünf Hauptkategorien (Li, Qi, Shen, Xing und Yi), die hier der Übersicht halber vorher kurz (alphabetisch) aufgelistet werden:

  • 力 Lì – Kraft, Stärke, Fähigkeit → da das Yi Quan beide Begriff synonym verwendet, könnte hier auch stehen: 劲 (勁) Jìn – (spezifische) Kraft, Stärke
  • 气(氣) Qì – Gas, Luft, Atem, Wetter; Gebaren, Verhalten … im Kontext der chinesischen Medizin: "Lebensenergie"
  • Shén – Geist, Seele, Gott, Göttlichkeit, Ausdruck; heilig → hier auch: der umfassende "Geist" (im Entspannungs-Kontext ein Wohlgefühl - im Kampfkunst-Kontext auch "Mut" u.a.)
  • 形 Xíng – Form, Gestalt, Erscheinungsbild, Aussehen → hier auch: Körperhaltung bzw. Körperstruktur
  • 意 Yì – Bedeutung, Idee, Gedanke, Wunsch, Begehren, Intention, Absicht, Erwartung, Vorstellung, ... (insgesamt steht Yì im Yiquan auch für "Denken", Vorstellungskraft und insgesamt den "Einsatz des Geistes")
    • und zum Yì gehört auch: 心 Xīn – Herz, Gefühl; Geist; Absicht; Zentrum, Kern
    • zusammen bilden Yi und Xin die rationalen und emotionalen Anteile des "Geistes"

 

1. Xing ohne Yi → leere Form

 

Xing ist die "Form/Gestalt", Yi die Vorstellungskraft. Andere Bezeichnungen für Xing sind auch schon mal Körperhaltung, "Struktur" oder "Rahmen" ("den Frame halten"). Wir brauchen eine gewisse "Form" - aber ohne Vorstellungen (Yi), bleibt diese Form leer.

 

2. Yi ohne Xing → keine Kraft

 

Die umgekehrte Situation zu 1. ist genauso falsch: haben wir nur Vorstellungen (Yi), aber keine Form (Xing), dann fehlt auch etwas - und wir können keine Kraft produzieren.

 

3. Yi ohne Li → kein richtiges Yi

 

Das ist für mich mit einer der interessantesten Punkte hier - aus drei Gründen:

  1. Prof. Yu spricht von Li (und nicht wie im Tai Ji Quan oft üblich von Jin). Das ist eine eigene Diskussion für sich und hier sei nur so viel gesagt: das Yi Quan benutzt Li und Jin synonym. D.h. Prof. Yu hätte genauso gut hier von Jin sprechen können (statt Li). Man darf hier also keine falschen Schlüsse daraus ziehen, dass Jin nicht erwähnt ist in der Liste.

  2. Es gibt ja den berühmten Ausspruch Yong Yi Bu Yong Li (Keine Kraft benutzen, sondern die Vorstellungskraft "Yi"). Dieser wurde oft fehlinterpretiert, als dürfe man überhaupt keine Kraft benutzen. Insofern ist es sehr interessant und erfrischend, dass Prof. Yu uns daran erinnert, dass wir auch Li (/Jin) benutzen müssen und eben nicht nur Yi. - Chen Yu aus dem Chen-Stil Tai Ji Quan sagt übrigens auch als Ergänzung: Ye Yong Li! (Auch Kraft benutzen!)

  3. Interessant ist auch noch, dass Prof. Yu sagt, dass ohne Li (/Jin) es kein richtiges Yi ist. Das ist insofern bemerkenswert, weil damit auch gemeint ist, dass sich Yi (Vorstellungskraft) im Körper "irgendwie anfühlen" muss - wir sagen auch, das Yi muss wie echt sein. D.h. Yi muss etwas konkret fühlbares sein - und nicht nur irgendwelche abstrakten Vorstellungsbilder, die man nicht fühlt...

 

4. Li ohne Yi → ungeschickt, grob

 

Das hier ist die umgekehrte Situation wie beim dritten Punkt - und das sollte vielleicht recht gut verständlich sein: nur Kraft benutzen (Li / Jin) ohne die Vorstellungskraft zu benutzen, ist ungeschickt oder grob. Man könnte vielleicht auch anlog zum ersten Punkt sagen, dass Li ohne Yi auch eine "leere Kraft" ist, der Inhalt, "Struktur", Verbindung und Dynamik fehlt, weil es "nur Krafteinsatz" ist ohne "Inneres".

 

5. Qi ohne Li → unrealistisch

 

Das hier ist ein sehr wichtiger Punkt, denn die Idee, dass Qi dasjenige ist, was z.B. andere Leute wegpusht o.ä. ist leider falsch und irreführend, wenn auch manche Richtungen mittlerweile behaupten, dass wäre die "einzig richtige innere Schule". Nein. Wir brauchen Li / Jin und alles andere ist unrealistisch - eine Illusion, der man hinterjagt. (mehr dazu an anderen Stellen)

 

6. Yi ohne Shen → keine Oberstufe

 

Shen ist der "Geist". Und bei aller Wichtigkeit des Yi (der Vorstellungskraft) dürfen wir in der Tat nicht vergessen, dass das Yi auch Shen anregen soll. Und ohne diese Shen-Anteile beim Training fehlt auch etwas. Shen muss auch mit dabei sein, um wirklich in die "Oberstufe" zu kommen.

 

 

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Weiterlesen:

Stilübergreifende Kernthemen: 3. "Kraft" - spezielle Biomechanik

 

 

 

 

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